Das Leben bezeugen… in einer unsicheren Welt. Mache dich auf!
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Unser Gehirn wäre sonst heillos überfordert, wenn es immer mit neuen Dingen, Reizen und Erlebnissen konfrontiert wäre. Wir brauchen Gewohnheiten um nicht ständig überreizt und gestresst zu sein. Es dauert im Schnitt ca. 2 Monate sich eine neue Gewohnheit anzutrainieren.
Gewohnheiten sind etwas Gutes, sie geben Sicherheiten, entspannen und vermitteln oft ein geborgenes Gefühl. Egal, ob es sich dabei um meinen immer gleichen Ablauf morgens nach dem Aufstehen handelt oder es um gesellschaftliche Dinge geht. Sich auf den Faschingsumzug zur gleichen Zeit im Jahr zu verlassen, auf das Sommerfest oder den Adventsbazar. Das große Fest, die Hochzeit, die Taufe, die lang ersehnte Verabredung oder den Urlaub planen zu können, das gibt dem Leben Beständigkeit.
Dass dieses Jahr anders ist, das muss man nicht mehr extra hinzufügen. Planen und überlegen geht nur noch mit dem Zusatz „falls das mit Corona geht“. Vieles wurde und wird deshalb abgesagt oder verschoben.
Aktuell ist wenig so wie immer. Gefühlt ist unsere Welt durch diese Pandemie noch unsicherer, noch unberechenbarer geworden, obwohl sie das ehrlicherweise schon immer war. Schon immer konnte etwas dazwischen kommen, schon immer waren Dinge immer auch ein Stück unplanbar. Aber Corona macht es einfach sehr viel deutlicher, man kann diese Unsicherheit nicht mehr einfach ignorieren.
Das Christsein ändert daran auch nichts. Auch Christinnen und Christen leben in dieser unsicheren Welt. Auch in Bezug auf Gott. Kein Wunder also, dass in der Geschichte immer wieder versucht wurde irgendwie Sicherheit zu erlangen. „Wenn ich nur das und das tue, dann segnet mich Gott gewiss, dann gelingt mein Leben“, „wenn ich das oder das tue, dann komme ich auf jeden Fall in den Himmel“. Ein klares Schema gegen die Unsicherheit, aber so einfach ist das nicht.
Der Glaube an Gott, das ist immer auch ein gewisses Wagnis. Kein Wunder also, dass der Mann ganz schön aufgeregt war, als er zu Jesus ging. Sein Kind war schwer krank und er wusste einfach nicht mehr aus noch ein. Inzwischen war er allerdings so verzweifelt, zermürbt und niedergeschlagen, das war jetzt seine letzte Chance. Aber ob Jesus wirklich helfen konnte? Die Unsicherheit blieb.
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24)
schreit der Mann Jesus entgegen. Diese ganzen zwiespältigen Gefühle, das Ringen zwischen Glauben und Zweifeln, stecken in diesem Ausruf. Unsicherheit in einer unsicheren Welt. Ich glaube und vertraue darauf, dass Gott die Welt in seiner Hand hält, ihm das Geschehen in der Welt und mein Leben nicht egal sind. Ich glaube, dass Gott führt und leitet und Segen pflanzt. Und trotzdem bleiben auch die Zweifel, wenn das Leid der Welt und die ganze Unsicherheit des Lebens auf mich prasseln. Gibt es Gott wirklich? Ist Gott überhaupt gut? Sieht er mich? Hilft er mir? Das hat sich der Mann mit seinem kranken Kind vermutlich auch gefragt. Aber Jesus war sein letzter Ausweg, der letzte Strohhalm, und ein Wunder passiert: Das Kind wird geheilt, Jesus sieht das Leid dieser Familie und hilft. Der Mann erlebt ganz konkret die Zuwendung und Liebe Jesu.
Und das macht für mich den Unterschied in aller Unsicherheit im Glauben und der Welt. Jesus Christus selbst hat alle Unsicherheiten der Welt selbst erlebt, er kennt das Gefühl, die Gedanken, die Angst im Bauch. Und gleichzeitig zeigt er immer wieder, wie viel größer als alle Unsicherheiten Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Ich verlasse mich darauf und vertraue auf Gottes Nähe und seine Führung. Ich erlebe seine Liebe zu mir, sein sich Kümmern, seinen Segen. Ich spüre, dass ich nie allein gelassen bin, nicht, wenn alles wie immer läuft, und auch nicht, wenn die Unsicherheit über mir zusammen zu schlagen droht. Ich halte mich an Jesus Versprechen (was er uns in der Taufe gibt) fest, wenn er sagt:
„Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)
Mir gibt das Kraft. Dir vielleicht auch? Mit Gott an unserer Seite das Leben zu bezeugen in einer unsicheren Welt.
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Psalm 23
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Psalm 23
Pfarrerin Alexandra Wetteskind
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